Der Wechstabenverbuchsler ist ein Kinderbuch über die Sprache

Mathias Jeschke: Der Wechstabenverbuchsler - Boje Verlag
Mathias Jeschke: Der Wechstabenverbuchsler - Boje Verlag
Mathias Jeschke erzählt eine leichte und sehr amüsante Geschichte über einen Sprachfehler und eine tolerante Liebe.

Welches Kind liebt es nicht, Wörter zu verdrehen oder mit ihnen zu spielen? Und Spielen ist wichtig, denn es dient dazu, zu lernen. Wer mit der Sprache spielt, lernt sie besser kennen und beginnt sie auch mehr zu lieben. Allerdings gehört schon eine gewisse Leichtigkeit dazu und wer als Erwachsener den Anspruch hat, dieses Buch seinen Kindern ganz ohne eigene Lesefehler vorzulesen, der hat vielleicht den Sinn von Sprachspielen nicht ganz verstanden. Denn hier geht es nicht um bierernstes Vorlesen, dieses Buch will die Lust am Versprechen und sprachlichen Herumexperimentieren wieder entdecken. Nicht umsonst danken Mathias Jeschke, der Autor, und der Illustrator Karsten Teich berühmten „Sprachspielern“ wie Joachim Ringelnatz, Ernst Jandl, Kurt Schwitters, Christian Morgenstern und Heinz Erhard.

Herr Beckermann hat Stress und verliert seine bisherige Sprache

„Mein Name ist Mackerbenn“, sagte Herr Beckermann und sagte „Tuten Gag,...“. So beginnt die Geschichte von Mathias Jeschke und der Illustrator Karsten Teich zeigt einen sympathischen und schlaksigen Mann mit entschuldigend hochgezogenen Schultern, abstehenden Ohren, dünnen Armen und einem altmodisch anmutenden Einkaufsnetz. Ein sympathischer Mann, denkt man als Leser. Dem würde man alles verzeihen, wahrscheinlich gerade weil er ein bisschen hilfsbedürftig und liebenswert tollpatschig wirkt. Denn das vermitteln auch die neun kleinen Portraits von Herrn Beckermann, der etwas erstaunt seine Zunge betrachtet, die einfach nicht mehr das sagen kann, was er eigentlich sagen will.

Eine Drehtür in einem Kaufhaus ist Schuld an den Versprechern

So einer tut sich natürlich auch schwer mit modernen Dingen und auch mit Technik. In dem Gewusel im Kaufhaus wird Herr Beckermann in der Drehtür von anderen Menschen überrannt und auf den Boden bugsiert. Und so durcheinander wie er davon ist, ist danach auch seine Sprache. „Rozzamella und Matoten, bitte! Für Rossamellamatoten.“, ruft er und will auch noch in der falschen Richtung die Rolltreppe nach oben nehmen. Doch er hat Glück und trifft auf das Mädchen Nina. Diese führt ihn nicht nur sicher wieder in die richtige Rolltreppen-Richtung, sie stellt ihn auch ihrer Mutter Susi Pappe vor, die sich in Herrn Beckermann oder Mackerbenn, oder wie auch immer er gerade heißt, verliebt.

Sprachspiele und Sprachversprecher stecken an und machen Spaß

Und weil sie ihn so nett finden, unternehmen sie viel mit ihm. Sie gehen wandern, „Gazierenspehen“, auf den Spielplatz oder essen auch mal gemeinsam. Und Nina und ihre Mama Susi fangen auch schon an, Wörter zu verdrehen und sich köstlich dabei zu amüsieren. Und eines Tages fällt Susi ihrem Herrn Beckermann in die Arme. „Oh, gleich so frosch, leine miebe Sasi Pappe?“, kommentiert er erfreut und der Leser schmunzelt. Und so geht die Liebesgeschichte gut aus und die beiden Verliebten heiraten. Und sie führen ein glückliches Leben, das nur noch durch eines eine Steigerung erfährt: Nina „heilt“ Herrn Beckermann, indem sie einfach das tut, was Kinder tun: Spielen und Toben.

Tolle Illustrationen im Bilderbuch „Der Wechstabenverbuchsler“

Köstlich sind im Buch die Illustrationen von Karsten Teich. Die Personen auf der Rolltreppe sind teilweise fast schon Karikaturen in der jeweiligen Eigenwilligkeit, sehr menschlich sind sie alle mal. Die Gesichter sprechen jedenfalls Bände. Und auch die Verliebtheit von Ninas Mutter und das Glück von Mutter und Tochter, dass sie durch Zufall auf Herrn Beckermann gestoßen sind, ist ausdruckstark und glaubhaft gezeichnet. Es macht einfach Spaß, die Bilder anzuschauen. Das Bilderbuch wird für Kinder ab 4 Jahren empfohlen und diese können eines sehr gut mit der Geschichte von Mathias Jeschke lernen: Toleranz. Auch ein Mensch mit Sprachfehler (oder anderen Eigenarten) ist liebenswert und kann andere Menschen glücklich machen.

Mathias Jeschke/Karsten Teich: Der Wechstabenverbuchsler, Boje Verlag, 2010, 32 Seiten, gebunden. Euro 12,95.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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