ADS – Das Erwachsenen-Buch

Erwachsene leiden genauso unter Aufmerksamkeitsstörungen

A·D·S - Das Erwachsenen-Buch - Verlag Oberstebrink
A·D·S - Das Erwachsenen-Buch - Verlag Oberstebrink
Unruhige, nervöse Kinder - davon hört man immer wieder. Schuld daran sind die neuen Medien, oder? Auch Erwachsene werden massiv durch die „Modekrankheit" ADS beeinflusst.

Mozart hatte es, Winston Churchill, vielleicht auch Da Vinci oder Thomas Alva Edison. Berühmte Namen beeindruckender Persönlichkeiten, die vor allem eines zeigen: ADS (AufmerksamkeitsDefizitSyndrom) oder auch ADSH (AufmerksamkeitsDefizit-/HyperaktivitätsSyndrom) sind keine Erscheinung der modernen Medienzeit. So beginnt auch das Buch „A·D·S – Das Erwachsenen-Buch“ unter anderem mit den folgenden Zeilen: „A·D·S gab es schon immer. Es hat sich aber durch die zunehmende Komplexität unserer Informationsgesellschaft immer deutlicher bemerkbar gemacht.“

Die Veranlagung für die neurobiologische Störung wird vererbt

Man geht davon aus, dass jedes achte Kind heute unter Aufmerksamkeitsstörungen mit der Bezeichnung ADS leidet. Im ersten Kapitel des Buches „Nicht nur Kinder haben A·D·S“ wird aufgezeigt, dass etwa 30 bis 50 Prozent dieser unruhigen oder verträumten Kinder auch im Erwachsenen-Alter noch unter ihren Problemen leiden und immer wieder Schwierigkeiten in Beruf und Partnerschaft haben.

Störung oder Auszeichnung – und was ist normal?

Doch was bedeutet ADS im Erwachsenenalter? In dem Ratgeberbuch der zwei erfahrenen Ärzte Dr. med. Elisabeth Aust-Claus und Dr. med. Dieter Claus sowie der Diplompsychologin Dr. Petra-Marina Hammer wird nicht nur der Unterschied zwischen „normal“ und „starken Symptomen, die einen Leidensdruck erzeugen“ aufgezeigt, es wird vor allem deutlich, dass die Betroffenen für ihr Verhalten oftmals nichts können. Das ist für die Umwelt schwer nachvollziehbar, da man bei einem erwachsenen Menschen meist eine geringere Akzeptanz gegenüber bestimmten Verhaltensweisen entgegenbringt. Während einem Kind Impulsivität zum Beispiel noch zugestanden wird, neigt die Umwelt bei einem Erwachsenen oft dazu, ihm mangelnde Selbstkontrolle und Unreife zu attestieren.

Drei wichtige Bereiche und zwölf Symptome im Selbsttest

ADS-typische Bereiche sind neben der Störung der Aufmerksamkeit, Aktivitätsstörungen mit Hyperaktivität/Hypoaktivität (Zappelphilipp/Träumer) auch Störungen der Impuls-Kontrolle. Näher aufgesplittert sind diese drei Bereiche in zwölf Symptome, die im Kapitel 3 ausführlich aufgezeigt werden. Der Leser kann für sich entscheiden, ob er sich in diesen Symptomen wiedererkennt und sich näher mit dem Thema beschäftigen beziehungsweise einen Fachmann aufsuchen sollte. Dazu gibt es im Anhang eine OptiMind®-Checkliste für den Betroffenen und den Partner eines ADS-Betroffenen. Diese Checklisten ersetzen zwar nicht den korrekten Weg zur Diagnose (darauf verweist auch das Autorenteam), aber es gibt interessante Anhaltspunkte. Da ADS-Betroffenen die eigene Selbsteinschätzung oftmals schwerfällt, ist es umso wichtiger, sich auch über eine andere Person reflektieren zu lassen.

Intelligent und begabt, aber voller Selbstzweifel

Viele Erwachsene mit ADS-Symptomen klagen zudem unter „Chaos im Kopf“. Ein ganzes Kapitel widmet sich diesem Phänomen und erklärt anschaulich, wie die Informationsverarbeitung in unserem Kopf funktioniert. Um eine Information zu verarbeiten, braucht es das gut funktionierende Zusammenspiel von Wahrnehmung (ReizaufnahmeI), Lernen und Gedächtnis (Reizverarbeitung), Gefühlen (Reizbewertung) und Handlungen (Aktionen und Reaktionen). Da ADS-Menschen gerade darin oftmals Schwierigkeiten haben, verläuft der Schul- und Berufsweg meist ebenfalls äußerst chaotisch. Und obwohl die Intelligenz zum großen Teil überdurchschnittlich hoch ist, leiden viele Betroffene unter Minderwertigkeitsgefühlen bis hin zu Depressionen und finden oft nicht den beruflichen Werdegang, der ihren angelegten Fähigkeiten entspricht. Dazu leiden viele ADS-Betroffene unter zusätzlichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Legasthenie, was die Selbstzweifel noch mehr schürt.

Der Alltag gestaltet sich sehr schwierig

Für Kinder gibt es heute viele Hilfsmethoden wie Punktesysteme zur Belohnung für erledigte Arbeiten. Erwachsene ADS-Personen gestehen sich solche Hilfsmethoden oftmals nicht ein oder wissen nicht, wie sie mit dem Chaos im Kopf und der dauernden Ablenkbarkeit Alltägliches bewältigen sollen. Viele leiden unter der eigenen Unordnung, unter den unendlichen Papierstapeln um sich herum oder unter der Unfähigkeit, ein gutes Zeitmanagement in ihren Alltag einzuführen. Dem ist das Kapitel 7 mit den „Hilfen zur Selbsthilfe“ gewidmet. Es werden praxisorientierte Tipps gegeben. Checklisten helfen dabei, sich und sein eigenes Verhalten besser einzuschätzen und daraus resultierend einfache Tipps für sich zu befolgen. So kann zum Beispiel bei Tätigkeiten, die wöchentlich anfallen, ein bestimmter Wochentag gewählt werden, Ablenkungen können durch klare Prioritäten-Listen vermieden werden oder das Ablegen von Post kann mit der Kästchen-Methode gestaltet werden.

Übersichtliches Buch, das man gerne zur Hand nimmt

Ein Phänomen bei ADS-Betroffenen ist, dass sie – wenn sie ein Thema langweilt – oftmals in der Konzentration aussteigen. Daher schaffen viele Erwachsene es nicht, ein Buch von Anfang bis zum Ende zu lesen. Diesem Umstand hat das vorliegende Buch berücksichtigt. Nicht nur, dass es sehr gut in die zehn verschiedenen Kapitel gegliedert ist und am Ende jedes Kapitels eine Zusammenfassung „Das Wichtigste in Kürze“ kommt, die sich sekundenschnell überfliegen lässt, auch die Kapitel sind in sich sehr interessant aufgebaut. Fallbeispiele aus der Praxis der drei Fachleute wechseln sich mit Informationen, Checklisten und farblich untermalten wichtigen Kernaussagen ab. Jedes Kapitel ist in einer anderen Farbe gehalten und Zeichnungen oder Schaubilder halten den Leser zusätzlich bei der Stange.

Ein ausgezeichnetes Buch, um sich mit dem Thema ADS für Erwachsene zu beschäftigen und gleichzeitig ein Ratgeber, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt und in dem man jedes Mal neue, interessante Informationen entdeckt. Absolut empfehlenswert für Betroffene und das Umfeld der Betroffenen, um mehr Verständnis für die Thematik aufzubringen.

Dr. med. Dieter Claus, Dr. med. Elisabeth Aust-Claus, Dr. Dipl.-Psych. Petra-Marina Hammer: A·D·S – Das Erwachsenen-Buch. Oberstebrink/Eltern-Bibliothek 2002. Gebunden, 347 Seiten. Euro 19,80.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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